Rezensionen
Die Kreativität von Maja Perić, eine Künstlerin, die absichtlich intuitiv immer wieder neuen Herausforderungen in künstlerischen Techniken frönt, sieht wie das Laufen am Rande des Eklektizismus aus; ihre disziplinierte Konsequenz ist nur in einem Aspekt sichtbar: in der anhaltenden Kontinuität ihrer kreativen Arbeit und der Suche nach Neuheit.
Ihre Biographie wird durch den Erwerb und die Beherrschung von Fertigkeiten in solchem Umfang geprägt, der die Meinungsfreiheit in verschiedenen Medien und verschiedenen Techniken, von der angewandten Kunst und dem Design bis zu Experimenten und Forschung auf Leinwand, ermöglicht.
Ein ursprünglich eklektischer Ansatz endet hauptsächlich mit höchst nicht eklektischen Ergebnissen; auf der Suche nach ihrem eigenen Weg in jedem Medium und Material, aber ohne Umsetzung der Ideen und Designgrundsätze von einem Medium zum anderen - was eine konsequente Originalität auch innerhalb ihres eigenen Werkes ermöglicht.
Eine der dominanten künstlerischen Kategorien von Maja Perić ist sicherlich Schmuck, genau der Bereich in welchem sie die höchste Stufe von Reife und Kreativität demonstriert. Die skulpturale Gestaltung zeichnet sich durch kraftvolle Formen aus, die ihrer primären Funktion und der Eignung für den Endkunden - die Person, die den Schmuck tatsächlich trägt – vollständig gerecht werden, und die als eigenständige räumliche Objekte auch außerhalb des Anwendungskontexts funktionieren.
In diesem Zusammenhang hat die Künstlerin eine sehr ausgeprägte Weiterentwicklung konzipiert. Mit den Schmuckstücken sind auch die begleitenden Bilder entstanden, die dem Schmuck im künstlerischen Sinne nach dem Grundsatz der Komplementarität von Farben und Formen entsprechen – so schafft sie ein neues Wert durch die Kombination von zwei künstlerischen Techniken.
Das Bild bekommt dadurch eine neue Funktion und wird ganz gerechtfertigt zu einem Stück der angewandten Kunst; es wird zu einem Schmuckgestell, es erhält Relief und wird durch Textur und Material erweitert. Solch ein Ansatz ermöglicht dem Endkunden, an der Schaffung dieses künstlerischen Ganzen durch das Hinzufügen oder Entfernen von Erweiterungen – Schmuckwaren – selbst teilzunehmen.
Die gewissermaßen robusten skulpturalen Formen sind praktisch das Ergebnis einer filigranen Arbeit: durch das Verdrehen von farblosen oder mehrfarbigen Fäden in Form einer sehr flexiblen Feder. Durch das Zusammenbringen der Federn entsteht eine ätherische Struktur, die von den eingesetzten Kontrastformen der Schmucksteine in Farben weiter hervorgehoben sind, die der linear verschachtelten Objektbasis entsprechen. Die eingesetzten Formen erzeugen das innere Rhythmus jedes einzelnen Schmuckstücks, wie Noten auf einer musikalischen Partition.
Die Bilder der Künstlerin sind durch eine abstrakte Komposition von Farben und Formen sowohl in selbständigen Werke als auch in Kombination mit angewandten Künsten gekennzeichnet. Und während die Formen von den organischen bis zu den geometrischen Konturen reichen, gibt es eine durchgehende Linie von Kombination im Farbspektrum, die Maja Perić sehr gerne hinterfragt: sehr oft verwendet sie violett und grün zusammen in ihren Bildern, und zwar entweder als eine Beziehung zwischen dem Hintergrund und den zentralen Motiv oder als gleichermaßen entgegengesetzte Motive. Sie werden den Beobachter nicht gleichmütig lassen, weil ihre Komplementarität beunruhigend und fast fragwürdig ist.
Diese zwei Sekundärfarben bilden das falsche Paar im koloristischen Sinne, eine Verschiebung im Gleichgewicht der Komplementarität, die eine Verwirrung für die Augen verursacht und zu einer Innerlichkeit, zur Suche nach Gleichgewicht und zu einer mehr detaillierten Beobachtung führt.
Die Künstlerin bringt weitere Unruhe in eine so dynamisierte Zusammensetzung durch die Einführung noch eines Elements, wobei sie nochmals das Gebiet der angewandten Kunst betritt: die Bilder bekommen eine Relieferweiterung mit einem neuen, starken visuellen Element – die Licht. Die Leinwandstruktur hat ein eingebautes Beleuchtungskörper, das durch eine Reliefstruktur beschattet wird. Neben der Dynamik der Farben, von warm bis kalt, wird die Zusammensetzung nun weiter durch ein Spiel von Licht und Schatten dynamisiert, das von einer dreidimensionalen Beschattungsstruktur sowie von einer dicken und fast reliefförmigen Schicht von Farbe geleitet wird. Dies macht die visuelle Geschichte zunehmend komplexer und stellt eine größere Herausforderung für den Beobachter dar.
Die visuelle Sprache der Künstlerin, die auch mit der grafischen Darstellung ihres eigenen Namens spielt, wobei sie ihre Unterschrift in eine teilweise inverse Version – WAYA - transformiert, ist diversifiziert, mutig und fast kompromisslos, wenn es sich um die Finesse der Fertigung handelt. Dies kommt nicht als eine Überraschung, in Anbetracht dessen, dass das offensichtliche Beharren auf Kenntnisse der Eigenschaften von Materialien sowie die laufende Weiterentwicklung in der praktischen Anwendung von Werkzeugen und Elementen, die sie gestaltet, Bestandteile ihrer künstlerischen Biographie sind.
Manövrierraum für ihren künstlerischen Ausdruck. Unabhängig von den institutionalisierten Formen der künstlerischen Ausbildung hat sie durch erfahrungsbasierte Methoden die Techniken zur Gestaltung von zahlreichen Materialien beherrscht, die ein visuelles Potenzial haben. Ihr Interesse an der reinen Kunst ist ein exploratorisches Vorhaben, von welchem sie häufig zur angewandten Kunst zurückkehrt. Allerdings löst die Vielzahl der Interessen von Maja Perić keine Dispersion aus; Forschung und Befragung sind genau ihre wichtigsten Vorteilen, die durch ihre sorgfältige Integrierung in ihren Kunstwerken diese Vitalität – eine so wichtige Kategorie - geben
Ksenija Foretić Kunstgeschichtlerin

